Offener Brief: Hilfe statt Verdrängung – Ja zum Suchthilfezentrum am Perlengraben

Köln, 30.01.2026

An die politischen Verantwortlichen der Stadt Köln und die Anwohnenden,

die Debatte um das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben wird derzeit von starken Emotionen begleitet. Mit Sorge beobachten wir, dass dabei Ängste geschürt und Zuspitzungen verbreitet werden – und dass der Eindruck entsteht, eine einzelne Interessensgemeinschaft spreche für das gesamte Veedel. Das ist nicht der Fall.

Wir sind Anwohnende und Engagierte aus dem Pantaleonsviertel und den angrenzenden Veedeln. Wir unterstützen ein Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt und wollen eine sachliche, solidarische Stimme in diese Diskussion einbringen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit Suchterkrankungen verbunden sind, steigen zurzeit in Köln an. Wir sehen den dringenden Bedarf für eine Erweiterung der Hilfsangebote für suchterkrankte Menschen in unserer Stadt. Dazu ist es wichtig, Planungsverfahren nicht unnötig aufzuhalten.

Unser Standpunkt ist klar: Schnelle Hilfe dort anbieten, wo sie benötigt wird.

Wenn Fachleute einen Standort nach klaren Kriterien als geeignet bewerten, dann respektieren wir diese Entscheidung – auch dann, wenn sie vor der eigenen Haustür liegt. Solidarität und Menschlichkeit zeigen sich genau dann, wenn den schwächsten Mitmenschen geholfen wird, statt sie zu vertreiben.

Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Das Konzept wirkt.

Städte wie Zürich und Wien setzen seit Jahren auf Suchthilfezentren mit geschütztem Konsum, Beratung und medizinischer Begleitung. Die Ergebnisse sind gut belegt: weniger offener Konsum – auch von Crack – im öffentlichen Raum, bessere Zugänge zu Hilfe und eine insgesamt geordnete Situation im Umfeld.

Auch in Deutschland wird dieser Ansatz aufgegriffen. Frankfurt am Main, seit Jahrzehnten Vorreiter der Drogenhilfe, diskutiert aktuell ausdrücklich, sein bestehendes Modell weiterzuentwickeln und sich dabei stärker an integrierten Suchthilfezentren zu orientieren, um die offenen Szenen noch wirksamer zu bewältigen.

Köln geht diesen Weg nicht leichtfertig – sondern, weil er sich andernorts bewährt hat.

Sorgen ernst nehmen – aber Angst nicht weiter anheizen

Natürlich sind Sorgen um Sicherheit, Sauberkeit und den Schutz von Kindern und älteren Menschen legitim. Diesen Ängsten muss durch ein gut ausgearbeitetes Sicherheitskonzept begegnet werden, sodass die Auswirkungen auf Anwohnende so gering wie möglich sind. Wir sind zuversichtlich, dass eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden kann.

Pauschale Warnungen, Überzeichnungen und das Infragestellen bewährter Konzepte helfen dabei nicht weiter.

Das Suchthilfezentrum ist ein Anfang

Der Standort am Perlengraben darf nicht allein stehen. Zürich hat gezeigt, dass erst durch mehrere verteilte Standorte das Problem der offenen Drogenszene unter Kontrolle gebracht werden kann. Weitere Einrichtungen – insbesondere das geplante Zentrum in Kalk – sind notwendig, um Verantwortung fair zu verteilen und Hilfe nachhaltig zu sichern.

Wir fordern von der Stadt Köln:

Wir fordern von den Anwohnenden:

Unser Veedel ist vielfältig. Niemand spricht allein für alle.

Wir setzen dem gezielten Schüren von Ängsten ein ruhiges, faktenbasiertes Gegengewicht entgegen – mit Respekt, Vertrauen in fachliche Entscheidungen und dem Blick auf das, was nachweislich wirkt.

Gez. Bürgerinitative Südi bleibt solidarisch

Erstunterzeichner*innen

Unterstützer*innen:

Weitere Organisationen sind herzlich eingeladen, sich als Mitunterzeichnende zu melden. Privatpersonen können Ihre Solidarität über unsere Petition ausdrücken. Kontakt: info@suedi@gmail.com-bleibt-solidarisch.de

https://suedi-bleibt-soldiarisch.de