Fragen der Initiative “Südi bleibt solidarisch” an die Stadt Köln zum geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben
Köln, 06.02.2026
Wir als Anwohnende haben zum Thema Suchthilfezentrum am Perlengraben noch einige offene Fragen. Wir begleiten den Prozess kritisch, aber konstruktiv und möchten zum Gelingen des Projekts beitragen. Denn wir sehen den dringenden Bedarf an der Erweiterung der Hilfsangebote für suchterkrankte Menschen in unserer Stadt. Deswegen haben wir diese Fragen an die Verantwortlichen der Stadt übermittelt.
Gesamtkonzept
Grundpfeiler des Zürcher Modells, auf das in der Debatte in Köln auch immer wieder verwiesen wird, ist die Einrichtung mehrerer Suchthilfezentren, die wechselnd geöffnet sind. So wird die Festsetzung der Szene in einem Viertel vermieden. Das ist auch einer der zentralen Kritikpunkte der Gegner:innen.
- Welche Möglichkeiten haben Politik und Verwaltung, die Errichtung eines dritten Standorts für ein Suchthilfezentrum der Öffentlichkeit verbindlich zuzusichern? Werden Sie das tun?
- Welche Maßnahmen können die Akzeptanz bei Anwohner:innen und Suchterkrankten erhöhen, sollte es kurz- oder mittelfristig bei einem linksrheinischen Standort bleiben?
- Zürich hat nur etwa halb so viele Einwohner:innen wie Köln, dort existieren drei Standorte. Wie viele Suchthilfezentren bräuchte Köln idealerweise?
- Es ist davon auszugehen, dass die Szene aus der Innenstadt nicht nach Kalk pendeln wird. Somit stellt das SHZ am Perlengraben bis auf Weiteres die einzige linksrheinische Anlaufstelle in der Innenstadt dar. Mit welchen Folgen für Betroffene und Anwohner:innen?
- Was sind die Gründe für die Entscheidung, den Drogenkonsumraum in der Lungengasse zu schließen? Könnte er nicht im Sinne der Dezentralisierung als weitere Anlaufstelle weiter betrieben werden? Welche Möglichkeiten gäbe es darüber hinaus, diesen Drogenkonsumraum attraktiver zu gestalten bzw. weiter an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen? Wann wird der Zeitpunkt der Schließung des Standorts sein?
- In Zürich wurden nicht-ortsansässige Betroffene bislang abgewiesen. Nun wird eine eigene Anlaufstelle für die Personengruppe geschaffen, um offenen Drogenkonsum zu unterbinden. Wie soll dieses Spannungsfeld in Köln gelöst werden?
Finanzierung & Entscheidungsprozess
- Wer sind die Geldgeber, die private Mittel zusichern? Wie wird Unabhängigkeit in diesem Zusammenhang gewährleistet?
- Wir schließen uns den Forderungen nach Transparenz über die Standortentscheidung an: Welche 13 Standorte wurden geprüft? Welche Argumente sprachen jeweils für und gegen diese Standorte? Welche Aspekte waren ausschlaggebend für den Standort Perlengraben? Warum wurden die Kriterien erst nach Identifizierung der Standorte angesetzt? Wurden durch die Festsetzung der maximalen Entfernung vom Neumarkt auf 1km interessante Standorte ausgeschlossen?
- Wie begegnen Sie dem Vorwurf, der Perlengraben sei ein Versuchsprojekt auf dem Rücken der Anwohnerschaft? Was spricht dagegen, sich näher am Zürcher Modell zu orientieren und den dritten Standort parallel zu planen? Anpassungen könnten auch im laufenden Betrieb vorgenommen werden.
- Wieso wurde der Bauplanungsbeschluss so kurzfristig angesetzt, ohne dass Sorgen der Anwohnerschaft in der Beschlussvorlage berücksichtigt wurden? Uns ist der Unterschied zwischen Bauplanungsbeschluss und Baubeschluss bekannt. Viele Kritiker:innen halten die Beschlussvorlage für unzureichend und möchten feste Zusagen bzgl. Sicherheit, bevor die Entscheidung für oder gegen den Standort fällt.
- Welche schwerwiegenden Gründe könnten im weiteren Verlauf den Planungsprozesses dazu führen, dass sich der Standort als ungeeignet erweist und aufgegeben werden muss?
- Was spricht dagegen, ein Gesamtkonzept für mehrere Standorte zu beschließen, um der Kritik der mangelnden Umsetzung zentraler Bausteine des Zürcher Modells zu begegnen? Was ist der Zeitplan für die Erstellung dieses Gesamtkonzepts inklusive Finanzierung? Wird es vor Baubeschluss am Perlengraben vorliegen?
- Wieso wurde nicht der grobe Finanzbedarf für die Errichtung und den Betrieb des SHZ geplant? Anwohner:Innen befürchten, dass es kurz- und mittelfristig wegen der angespannten Haushaltslage beim Standort Perlengraben bleiben wird. Wie wird darüber hinaus sichergestellt, dass die Stadt die Errichtung und den Betrieb eines dritten SHZ finanzieren kann?
- Welchen alternativen Plan gibt es, sollte sich herausstellen, dass der geplante Drogenkonsumraum in Kalk nicht für einen Ausbau in ein Suchthilfezentrum geeignet ist?
SHZ Perlengraben
- Der Standort ist zunächst für eine Dauer von fünf Jahren mit einer Option der Verlängerung um weitere fünf Jahre vorgesehen. Welche Kriterien entscheiden darüber, ob der Standort über die zurzeit anvisierten fünf oder zehn Jahre hinaus betrieben wird? Handelt es sich bei dem Standort eher um eine mittelfristige (bis zu zehn Jahre) Lösung oder eine sehr langfristige?
- Welche Kriterien werden zur Beurteilung über den Erfolg und die Wirksamkeit des SHZ herangezogen?
- Wird die Umsetzung und der Betrieb des SHZ wissenschaftlich begleitet?
- Kritiker bemängeln, die Fläche sei zu klein, um die Menge der Betroffenen dort adäquat zu betreuen und eine hohe Aufenthaltsqualität inklusive Außenbereich zu beherbergen. Wie schätzen Sie diesen Kritikpunkt ein?
- Wie begegnen Sie dem Vorwurf, die Szene solle vom Neumarkt verlagert werden, um dort für mehr Ruhe zu sorgen? Kritiker:innen bringen immer wieder an, dass die Anlaufstellen in Zürich unmittelbar an den Hotspots eingerichtet wurden.
- Auf der betroffenen Fläche war der Bau eines Spielplatzes vorgesehen. Prüfen Sie, ob es einen alternativen Standort für diesen Spielplatz gibt? Und wenn ja, wo? Und was ist dafür der Zeitplan?
- Die Personengruppe suchtkranke Menschen und ihre Bedürfnisse sind sehr heterogen (Wohnungslosigkeit, Schwere der Abhängigkeit, Substanzen). Inwieweit wird das Angebot im geplante SHZ dies adressieren? Wird das Hilfsangebot breit aufgestellt sein oder wird es eine Spezialisierung auf bestimmte Bedürfnisse geben?
- Wie werden die Bedürfnisse besonders vulnerabler Personengruppen wie die suchterkrankter Frauen berücksichtigt?
- Wie ist das SHZ in das Hilfsangebot für wohnungslose Menschen integriert?
Sicherheit
- Welche Sicherheits- und Ordnungsmaßnahmen wird es im Umfeld des SHZ insbesondere für Kinder, Jugendliche, Schulhöfe, Spielplätze und Parks geben? Welche Akteur:innen werden für die Umsetzung dieser Maßnahmen zuständig sein (z.B. Polizei, Ordnungsamt, zertifizierte Sicherheitskräfte)? Und wie greifen diese ineinander?
- Mit welchen Auswirkungen müssen Anwohner:innen rechnen? Welche Maßnahmen werden getroffen, um Beschaffungskriminalität wirksam einzudämmen?
- Der Handel mit Drogen für den Eigenbedarf soll im SHZ toleriert werden. Kann dadurch der gesamte Bedarf vor Ort gedeckt werden?
- Falls mehrere SHZ im Umkreis vom Neumarkt eröffnet werden: Wie wird dann sichergestellt, dass Anwohnende auf den Routen zwischen den Zentren geschützt werden?
Sonstiges
- Gibt es neben dem SHZ am Perlengraben genügend Kapazitäten im gesamten Suchthilfesystem, um den Menschen konkrete Angebote von Substitution, Entgiftung, Langzeittherapie, Adaption etc. anbieten zu können? Welchen Maßnahmenplan gibt es, damit das SHZ gut in die Suchthilfeplanung integriert ist, sodass es für die Menschen umfassend wirksam werden kann?
- Wird es einen oder regelmäßige Tage der offenen Tür für Anwohnende und Interessierte geben?
- Warum ist die Personalstelle der Suchtkoordination aktuell unbesetzt?
Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung der Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Anwohnendenbündnis “Südi bleibt solidarisch”