Pressemitteilung: Südi bleibt solidarisch kritisiert irreführende Debatte und fordert Umsetzung des Baubeschlusses zum Suchthilfezentrum durch den Rat der Stadt Köln
Köln, den 29.04.2026
Die Initiative Südi bleibt solidarisch reagiert mit deutlicher Kritik auf die jüngste Informationsveranstaltung der IG Pantaleonsviertel. Aus ihrer Sicht prägen zunehmend zugespitzte, teils widersprüchliche und irreführende Darstellungen die Debatte um das geplante Suchthilfezentrum in der Kölner Südstadt. Ziel müsse sein, die Diskussion auf fachliche Lösungen und die dringend notwendige Verbesserung der Suchthilfe zu lenken, statt Ängste zu verstärken oder Entscheidungen weiter zu verzögern. Im Rahmen der Veranstaltung wurden nach Einschätzung der Initiative erneut Behauptungen geäußert, die ein verzerrtes Bild vermitteln – etwa zur angeblichen Aufnahme suchtkranker Menschen „aus ganz Europa“. Zugleich werde zwar Gesprächsbereitschaft betont, gleichzeitig jedoch ein Standort im Veedel bereits grundsätzlich abgelehnt. Diese widersprüchliche Haltung erschwere eine sachliche Debatte. Zudem sieht sich die Initiative selbst wiederholt mit unzutreffenden Darstellungen konfrontiert. So werde ihr abgesprochen, eine Anwohnendeninitiative zu sein, weil sich auch Engagierte aus angrenzenden Veedeln wie dem Severinsviertel beteiligen. Gleichzeitig arbeite die IG Pantaleonsviertel selbst mit der IG Severinsviertel zusammen. Die Initiative bewertet diese Argumentationsweise als inkonsistent. Auch internationale Beispiele würden teils verkürzt dargestellt. So sei etwa behauptet worden, das Zürcher Hilfesystem funktioniere unter der zunehmenden Verbreitung von Crack nicht mehr oder stehe nur Ortsansässigen offen. Tatsächlich gilt das Zürcher Modell international als wirksam und basiert auf einem integrierten Ansatz aus Prävention, Therapie und Schadensminderung; ergänzende Angebote für Auswärtige wurden eingeführt, da reine Standortbegrenzungen Problemlagen nicht lösen. Südi bleibt solidarisch stellt klar, dass es der Initiative nicht um die Durchsetzung des konkreten Standorts Perlengraben geht, sondern um die zeitnahe Schaffung eines wirksamen Suchthilfeangebots in städtischer Lage. Aus Sicht der Initiative darf dies nicht durch eine grundsätzliche Verhinderungshaltung verzögert werden. Die angekündigten Klageüberlegungen der IG Pantaleonsviertel sieht die Initiative daher mit Sorge. Die Initiative appelliert an die Stadt Köln, die Planungen fortzuführen und den Baubeschluss zu fassen.
„Wir beobachten derzeit eine Debatte, in der Argumente selektiv genutzt, verkürzt dargestellt oder je nach Situation unterschiedlich ausgelegt werden. Das entspricht aus unserer Sicht keiner faktenbasierten Auseinandersetzung, zumal häufig nicht differenziert wird, dass die bestehenden Probleme auf Suchterkrankung selbst zurückgehen und nicht auf die Planung eines Suchthilfezentrums. Wenn einerseits Offenheit betont wird, gleichzeitig aber jeder konkrete Standort ausgeschlossen wird, ist das keine ergebnisoffene Diskussion mehr, sondern faktisch eine Verhinderung notwendiger Lösungen.“
Sebastian Endres, Sprecher von Südi bleibt solidarisch
„Laut sind oft die, die dagegen sind – das heißt nicht, dass diese Stimmen die Realität abbilden. Es werden unzutreffende Aussagen über unsere Zusammensetzung und Positionen verbreitet. Wer selbst Kooperationen mit Institutionen au angrenzenden Veedeln eingeht, sollte sie nicht bei uns als Argument gegen Legitimation verwenden.“
„Während Sorgen von Anwohnenden ernst genommen werden müssten, lehnen wir jedoch Narrative ab, die Unsicherheit verstärken, ohne zur Lösung beizutragen. Aus unserer Sicht zeigt sich eine klassische „Not in my backyard“-Haltung: Unterstützung für Suchthilfe ja – aber nicht vor Ort. Das Muster kennen wir auch aus anderen gesellschaftlichen Debatten, etwa zur Energiewende.“
Dr. Eva Grommes, Sprecherin von Südi bleibt solidarisch
Südi bleibt solidarisch ist eine Initiative von Anwohnerinnen und Anwohnern aus dem Pantaleonsviertel und angrenzenden Veedeln, die sich für eine sachliche, solidarische und lösungsorientierte Auseinandersetzung rund um das geplante Suchthilfezentrum einsetzt. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Situation für suchtkranke Menschen sowie eine nachhaltige Entlastung des öffentlichen Raums für alle Beteiligten. Um eine fachlich fundierte Perspektive in die Diskussion einzubringen, hat die Initiative gemeinsam mit der Karl-Rahner-Akademie und der Melanchthon-Akademie am 7. Mai 2026 um 19 Uhr zur öffentlichen Podiumsdiskussion „Auf dem Weg zum Suchthilfezentrum“ in die Kartäuserkirche Köln eingeladen. Dort sprechen Expertinnen und Experten aus Suchthilfe, kommunaler Praxis und Selbsthilfe über Erfahrungen mit bestehenden Einrichtungen, Chancen und Herausforderungen eines Suchthilfezentrums sowie Perspektiven für Stadt und Nachbarschaft. Eine Anmeldung über die Karl Rahner Akademie ist erforderlich.
Darüber hinaus ruft Südi bleibt solidarisch zu einer Kundgebung vor der Ratssitzung am 12. Mai auf.