Pressemitteilung: Über 100 Gäste bei Podiumsdiskussion zum Suchthilfezentrum – Debatte zeigte Interesse an Austausch und Mitgestaltung in der Nachbarschaft

Köln, den 07.05.2026

Mehr als 100 Besucher*innen haben am Donnerstagabend an der öffentlichen Podiumsdiskussion „Auf dem Weg zum Suchthilfezentrum“ in der Kartäuserkirche in Köln teilgenommen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Karl-Rahner-Akademie, der Melanchthon-Akademie und der Bürgerinitiative Südi bleibt solidarisch organisiert. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus bestehenden Einrichtungen, Perspektiven aus Suchthilfe und Selbsthilfe sowie die Frage, wie ein Suchthilfezentrum in Köln erfolgreich umgesetzt werden kann – unter Berücksichtigung sowohl der Bedürfnisse suchtkranker Menschen als auch berechtigter Interessen der Nachbarschaft. Unter Moderation von Dr. Sandra Dybowski diskutierten auf dem Podium Sebastian Dückers (Caritas Krefeld), Stefan Lehmann (Stadt Köln / Drogenkonsumraums am Neumarkt), Angelika Schels-Bernards (Freie Wohlfahrtspflege NRW) sowie Torsten Zelgert (Netzwerk von Drogen gebrauchenden Menschen, Ehemaligen und Substituierten – JES NRW e.V. / Vision e.V.). Die Diskussion machte deutlich, dass die Herausforderungen rund um offene Drogenszenen komplex sind und langfristige Lösungen nur durch fachlich fundierte, niedrigschwellige Hilfsangebote funktionieren. Betont wurde dabei die Bedeutung von Dialogen mit sowie der Einbindung der Nachbarschaft, realistischen Erwartungen sowie eines umfassenden Hilfekonzepts mit medizinischer, psychosozialer und tagesstrukturierender Unterstützung. Nur so könne Betroffenen im Sinne der Harm Reduction geholfen und der öffentliche Raum langfristig entlastet werden. Die Diskutierenden machten deutlich, dass viele der kursierenden Sorgen nicht allein mit dem konkreten Standort zusammenhängen, sondern grundsätzlich mit den Folgen schwerer Suchterkrankungen und offener Drogenszenen. Probleme wie Beschaffungskriminalität, öffentlicher Konsum oder Drogenhandel ließen sich nicht durch reine Verdrängung lösen und bestünden unabhängig vom jeweiligen Standort. Die Fachleute schilderten Erfahrungen aus bestehenden Einrichtungen und betonten, dass integrierte Hilfekonzepte durchaus angenommen werden. Die 50.000 Konsumvorgängen pro Jahr im mittlerweile viel zu kleinen Konsumraum am Neumarkt zeige, dass es durchaus möglich sei, die Szene aus dem öffentlichen in einen geschützten Raum zu überführen – auch wenn solche Entwicklungen Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen eintreten. Aus Sicht der Veranstaltenden zeigte der Abend, dass ein sachlicher Austausch über Chancen, Risiken und konkrete Ausgestaltungsmöglichkeiten möglich ist: Auch der Austausch mit dem Publikum verlief sachlich und unaufgeregt.

v.l. Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers
v.l.: Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers

Sebastian Dückers, Leiter des Drogenhilfezentrums in Krefeld mit Drogenkonsumraum, Tagestreff, medizinischem Basisangebot, Streetwork und Beratung berichtet von ähnlichen Vorbehalten und Sorgen zum Start der Einrichtung im Jahr 2023:

„Natürlich sind punktuell auch Probleme aufgetreten, doch durch viele Dialoge mit der Nachbarschaft entstand eine Zusammenarbeit mit dem Umfeld, die sowohl für die Anwohnenden, vor allem aber für die Betroffenen, sehr hilfreich ist.“

Angelika Schels-Bernard, Leiterin des Arbeitsausschusses Drogen und Sucht der Freien Wohlfahrtspflege NRW, betonte, dass derzeit ein Wandel in der Drogenszene stattfindet

„Köln ist derzeit trauriger Rekordhalter bei der Zahl der Drogentoten in NRW.

Stefan Lehmann, Leiter des Drogenkonsumraums am Neumarkt und Sachgebietsleiter der Suchthilfe der Stadt Köln stellte klar:

„Die meisten Aggressionen der Szene richtet sich szeneintern gegen Angehörige der Szene selbst. Das sieht man etwa daran, dass es bislang kaum Probleme mit Drogensüchtigen am Perlengraben gibt – obwohl es bereits unmittelbar in der Nachbarschaft Szenetreffpunkte gibt.“

Torsten Zelgert, Projektleiter beim JES NRW und Mitarbeiter beim Verein für innovative Drogenselbsthilfe (Vision e.V.) stellte klar:

„Die Menschen, die draußen leben und konsumieren, haben keine Alternativen. Ich würde heute nicht hier sitzen, wenn es keine Hilfsangebote gegeben hätte.“

Moderatorin Dr. Sandra Dybowski, selbst Anwohnerin im Pantaleonsviertel, fasste abschließend zusammen:

„Die öffentliche Debatte vermittelt derzeit oft ein einseitiges Bild. Dabei zeigt auch die Passant*innenbefragung der Sicherheitsanalyse der Stadt, dass die Haltung viel differenzierter ist: Viele Menschen stehen dem Vorhaben offen gegenüber – auch Anwohnende und Eltern von Kindern, die dort zur Schule gehen. Das hat sich heute auch in den Wortmeldungen gezeigt.“

v.l. Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers
v.l.: Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers

Südi bleibt solidarisch ist eine Initiative von Anwohnerinnen und Anwohnern aus dem Pantaleonsviertel und angrenzenden Veedeln. Die Initiative setzt sich für eine sachliche, solidarische und lösungsorientierte Debatte rund um das geplante Suchthilfezentrum ein. Ziel ist sowohl eine bessere Unterstützung suchtkranker Menschen als auch eine nachhaltige Entlastung des öffentlichen Raums. Am 12. Mai entscheidet der Rat der Stadt Köln in seiner Sitzung über den Bau des Suchthilfezentrums am Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße. Südi bleibt solidarisch ruft ab 14:30 zu einer Kundgebung auf dem Theo-Burauen-Platz am Rathaus auf, um die Unterstützung für diesen Schritt sichtbar zu machen.

v.l. Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers
v.l.: Stefan Lehmann, Torsten Zelgert, Dr Sandra Dybowski, Angelika Schels-Bernards, Sebastian Dückers